Donnerstag, 23. November 2017

"Straßenlaterne Nr. 8" von Cao Wenxuan

Ein echtes Juwel unter den Kinderbüchern!

Wieder einmal darf ich Euch ein Kinderbuch aus dem Drachenhaus-Verlag vorstellen. Es handelt von einer Straßenlaterne in der Froschgrünen Kachelstraße. Eine Straßenlaterne, die Anlaufpunkt für die unterschiedlichsten Menschen und Tiere zu sein scheint. Zum Beispiel für den verwahrlosten Hund, der immer erst um die Laterne herumläuft, bevor er sein Bein hebt, aber auch für den schmutzigen, alten Mann, der sich jedes Mal kurz an die Laterne lehnt, bevor er weitergeht. Eines Tages begegnen sich beide am Laternenpfahl. Der eine wartet, bis der andere fertig ist. Der alte Mann braucht immer länger, doch der struppige Hund wartet geduldig. Nach dem Winter erscheint der alte Mann nicht mehr, doch dann entdeckt der Hund ein älteres Fräulein mit einem Schirm. Die beiden begegnen sich immer wieder an der alten Laterne, bis auch sie zu alt werden. 

"Straßenlaterne Nr. 8" - ein außergewöhnliches Buch für Kinder mit wunderschönen Zeichnungen von Wen Na. Man muss dieses Buch in Händen halten, es lesen, es betrachten, es genießen. Es ist ein ganz bezauberndes Buch über zufällige Begegnungen, ein Buch über das Leben, über das Loslassen, über Veränderungen. Eine Geschichte, an die sich auch Erwachsene erfreuen und die sie innehalten lässt.

"Straßenlaterne Nr. 8" - ein echtes Juwel unter den Kinderbüchern!


Gebundene Ausgabe
36 Seiten
Verlag: Drachenhaus

Emfohlenes Alter: ab 8 Jahren

Autoren-Interview mit Melanie Metzenthin


Liebe Lesezeit-Leserinnen und -Leser,

nun ist es endlich soweit. Ich darf Euch nach längerer
Zeit wieder einmal ein sehr interessantes und spannendes Autoren-Interview präsentieren.

Viel Spaß mit Melanie Metzenthin!



Foto: (c) Melanie Metzenthin




Name: Dr. Melanie Metzenthin
Alter: 48
Wohnort: Hamburg
Familienstand: ledig




Wie kam dir die Idee zu deinem aktuellen Buch?

Ich bin Fachärztin für Psychiatrie und habe mich viel mit der Geschichte des 3. Reichs beschäftigt und insbesondere auch der Rolle der Psychiatrie und der Euthanasie – ein Thema, das bislang nur wenig Beachtung fand, obwohl viele Opfer, insbesondere die der Zwangssterilisation – nie oder erst sehr spät entschädigt wurden. Ich wollte den Zwiespalt darstellen, in den idealistische, humanistisch denkende Ärzte im 3. Reich waren, als das Regime sie dazu zwingen wollte, alles zu verraten, für das sie jemals standen. Es gab nämlich beide Sorten – die Täter und jene, die heimlich Widerstand leisteten. Nur ist der stille Widerstand so still gewesen, dass er bis heute kaum eine Stimme hat, zumal die Opfer – psychisch Kranke und Behinderte – ebenfalls keine Stimme haben.


Was macht dir am meisten Spaß beim Schreiben?

Mich ganz auf die Geschichte einzulassen und in ihr zu leben.



Foto: (c) Melanie Metzenthin



Wer sind deine ersten Probeleser?

Ich habe eine Reihe von erprobten Testlesern, ein Teil sind selbst Autoren, ein anderer Teil sind reine Leser.

Hast du selbst ein Lieblingsbuch, einen Lieblingsautor?

Wenn ich mich schon entscheiden muss (was sehr schwer ist) dann sage ich immer Karl May und Winnetou I – denn ich schätze Karl Mays humanistisches Weltbild und die Art, wie er Charaktere schafft und sein Ziel darin besteht, Feinde zu Freunden zu machen. Dafür ist Winnetou I ein großartiges Sinnbild.


Welches Genre liest du?

Ich lese eigentlich je nach Stimmung alles quer Beet. Besonders gern aber Abenteuerromane und historische Romane sowie Biografien und Sachbücher. Ab und zu auch Krimis und Thriller und Fantasy.



Foto: (c) Melanie Metzenthin



Dein nächstes Projekt?

Die Fortsetzung von „Im Lautlosen“ - wie es nach dem 2. Weltkrieg weiter ging.


Welchen Berufswunsch hattest du als Kind?

Archäologin


Welche Jahreszeit ist die deine?

Sommer


Was bedeutet dir Zeit?

Zeit ist Freiheit das zu tun, was man tun möchte.



Foto: (c) Melanie Metzenthin



Wie definierst du Glück?

Genügend Zeit und liebe Menschen um sich zu haben.


Wie würdest du dich in einem Satz selbst beschreiben?

Kreativ, spontan und humorvoll, aber dabei auch immer mit einem ernsten Blick auf die Welt.





Liebe Melanie, ganz herzlichen Dank
für das Interview! Ich bin schon sehr gespannt auf
die Fortsetzung deines Romans "Im Lautlosen",
ein Buch, das mir immer in Erinnerung bleiben wird.

Mittwoch, 22. November 2017

Freude!


Ich freue mich gerade riesig!
Ein Zitat von mir in der Vorschau
 des Goldmann-Verlages!




Donnerstag, 16. November 2017

"Und jetzt lass uns tanzen" von Karine Lambert

Eine ganz bezaubernde Geschichte über die Liebe im Alter!

Marcel, 73 Jahre alt, er liebt die Sterne. Er weiß alles über sie. Sein ganzes bisherigen Leben hat er mit seiner großen Liebe aus Kindertagen verbracht, doch Nora ist nun tot. 

Marguerite, 79 Jahre alt, ist seit kurzer Zeit Witwe. Viele, viele Jahre lang war sie mit Henri verheiratet, einem eher unterkühlten Mann, der keine Gefühle an sich heran ließ, der nach strengen Regeln lebte, denen sich auch seine Frau zu fügen hatte. Auch nach seinem Tod lebt sie mit diesen Regeln weiter. Sie ist es nicht anders gewöhnt. Ihr Sohn gleicht dem Vater. Am liebsten würde er die Mutter in einem Seniorenheim sehen. Einziger Lichtblick ist Ludovico, Marguerits Enkel, der sie einmal wöchentlich besucht.

Marcel und Marguerite begegnen sich in einem Sanatorium. Er, der die Nacht liebt. Sie, die den Tag lieber mag. Die beiden spüren, dass sie zueinander gehören, doch ist eine zweite Liebe in dem Alter wirklich noch möglich? 

"Und jetzt lass uns tanzen" - was für ein wunderwunderschöner Roman! Eine leise Geschichte um die Liebe im Alter, ein sehr lebensbejahender Roman. Gefühlvoll. Großartig. 

Was für ein schönes Gefühl beim Lesen, als Marguerite die Regeln ihres Ehemannes über Bord wirft und im Alter anfängt, endlich zu leben! Wie sie zum Friseur geht, sich den altmodischen Dutt abschneiden lässt und sich eine Kurzhaarfrisur schneiden lässt! Diese und viele andere wunderbare Momente sorgen dafür, dass nicht nur Marguerite endlich das Glück findet, sondern auch der Leser. 

"Und jetzt lass uns tanzen" - eine bezaubernde Geschichte aus der Kategorie "Glücklich-mach-Buch"!




eBook
224 Seiten
Verlag: DIANA

Mittwoch, 15. November 2017

"Der Himmel ist ein Fluss" von Anna Kaleri

Eine bewegende, sehr nachdenklich stimmende Geschichte!

Heute stelle ich Euch mal wieder einen Schatz aus meinem Regal der bisher ungelesenen Bücher vor.

Es ist die Geschichte der Großmutter der Autorin. Eine Geschichte, wie sie vielleicht so passiert ist. Von der Großmutter existieren keine Fotos, keine Dokumente, nichts, als hätte es sie nie gegeben. Man weiß nur, dass sie 1945 erschossen wurde.

Minna ist Landarbeiterin in Masuren, doch sie möchte mehr. Sie kann mit dem Leben auf dem Land nichts anfangen. Eines Tages begegnet ihr im Wald Gwidon, ein Vogelkundler. Wie magisch fühlt sich Minna von dem verheirateten Mann angezogen. Um ihm näher zu sein, nimmt sie eine Stelle als Haushaltshilfe in der nahe gelegenen Stadt Allenstein an. 

Die Beziehung der beiden zueinander darf nicht sein. Gwidon ist Pole. Minna wird wegen Rassenschande angeklagt und kommt für mehrere Jahre ins Gefängnis. Dort bringt sie Gwidons Kind zur Welt, doch das Kind wird ihr weggenommen. Sie hofft, dass es zu ihrer Mutter gebracht wird. Als Minna endlich frei kommt und ihr Zuhause aufsucht, passiert das Unbegreifliche. 

"Der Himmel ist ein Fluss" - ein sehr verstörendes Buch und doch so wunderschön geschrieben! Ich musste das Gelesene erst einmal sacken lassen. Wie kann jemand dieses Thema anpacken und doch so wunderbare Töne treffen? Der Autorin ist es mit Bravour gelungen! Ich glaube, man muss dieses Buch lesen, um zu verstehen, was ich meine. 

Diese zarte Liebe zwischen Minna und Gwidon, so zart wie ein Schmetterling und auf der anderen Seite die hässliche Fratze des Zweiten Weltkrieges, die Nazi-Herrschaft mit ihren Begriffen wie Rassenschande und Volksschädlingsverordnung. Mit wenigen Worten gelingt es der Autorin, den Leser in einen Strudel der Gefühle zu katapultieren. 

"Der Himmel ist ein Fluss" - eine bewegende, sehr nachdenklich stimmende Geschichte. Unbedingt lesenswert!




Gebundene Ausgabe
224 Seiten
Verlag: List




Dienstag, 14. November 2017

"Herr Origami" von Jean-Marc Ceci

Eine kleine Geschichte, die einen innehalten lässt!

Als junger Mann verlässt Meister Kurogiko seine Heimat Japan, um einer jungen Frau nachzureisen, in die er sich Hals über Kopf verliebt hat. Er landet in der Toskana, doch die Frau findet er nicht. Meister Kurogiko bleibt. Er zieht in ein verfallenes Haus und widmet sich ganz der Meditation und dem Herstellen von Washi, dem traditionellen japanischen Papier, aus dem Origami gefaltet werden. Im Dorf kennt man ihn nur als Herrn Origami. 

Eines Tages kommt der junge Casparo ins Dorf. Er sucht eine Unterkunft und wird zu Herrn Origami geschickt. Casparo ist Uhrmacher. In aller Ruhe und Abgeschiedenheit möchte er die Idee zu einer außergewöhnlichen Uhr finden, eine Uhr, die alles messen kann. 

Die beiden eigentlich so unterschiedlichen Männer verbindet doch so viel. Die Begegnung wird beider Leben verändern.

"Herr Origami" - was für ein kleines Juwel! Eine poetische, kleine Geschichte voller Weisheit, die einem beim Lesen innehalten lässt. Eine Wohltat in unserer ach so hektischen Zeit. Eine Geschichte, die man immer wieder lesen kann, die einen ganz ruhig werden lässt. Ein Buch, das man unbedingt in Papierform lesen sollte!

Es passiert nicht viel in diesem Buch. Das muss es auch gar nicht. Auf manchen Seiten befinden sich nur wenige Zeilen. Zeilen, so wunderschön geschrieben. Ein Buch, das man immer wieder zur Hand nehmen und lesen kann. Ein zauberhaftes Meisterwerk!




Gebundene Ausgabe
160 Seiten
Verlag: Hoffmann und Campe







Montag, 13. November 2017

"Die Frau im hellblauen Kleid" von Beate Maxian

Ein sehr intensiver, berührender Roman aus der Welt der Schauspielerei!

Vera ist mit der Schauspielerei  nicht so erfolgreich wie ihre Mutter, ihre Großmutter und sogar ihre Tochter. Vielleicht liegt ihr Talent ja eher beim Schreiben und Drehen von Filmen? Sie hat den Wunsch, einen Film über ihre berühmte Mutter Marianne zu drehen, doch diese ist schockiert, könnten doch Ereignisse aus der Vergangenheit ans Tageslicht kommen, die jahrzehntelang erfolgreich geheim gehalten wurden. Marianne lässt sich dann aber doch auf das Projekt ein mit der Bedingung, dass die Geschichte mit ihrer Mutter Käthe beginnt und es eine Dokumentation wird. 

So wird der Leser zurück ins Jahr 1927 entführt, das Jahr, in dem die junge Käthe von einer Karriere als Bühnenschauspielerin träumt. Heimlich schleicht sie sich in einem geliehenen hellblauen Kleid zum Vorsprechen ins Theater, wo ihre einmalige und berauschende Karriere beginnen wird. Käthe verliebt sich in Jakob, der kurze Zeit später ein Bühnenstück für sie schreiben wird. Käthe wird zum Star, doch die Welt ist aufgebracht. Die Nazis kommen an die Herrschaft. Ihre Liebe zu Jakob gilt als Rassenschande, denn Jakob ist Jude. Als Käthe nach Berlin geht, lernt sie Hans Bleck kennen, einen erfolgreichen Produzenten der Ufa. Käthe steht nun erfolgreich vor der Kamera, doch der Produzent hat sie in der Hand, denn er weiß um Käthes Geheimnis. 

"Die Frau im hellblauen Kleid" - eine Geschichte, bei der bei mir von der ersten Seite an das Kopfkino mitlief. Es ist die Geschichte der Altmann-Frauen, vier Frauen, die sich der Schauspielerei verschrieben haben, mal mehr, mal weniger erfolgreich. 

Eine bewegende, eine gefühlvolle, eine großartige Geschichte, so spannend geschrieben, dass man als Leser nicht mehr aufhören kann zu lesen. Ein sehr intensiver, sehr berührender Roman aus der Welt der Schauspielerei. Unbedingt lesen!



Broschierte Ausgabe
447 Seiten
Verlag: HEYNE





Herzlichen Dank an Beate Maxian
für diese spannende und sehr berührende Geschichte!

Herzlichen Dank an das Verlagsteam,
dass ich den Roman lesen und vorstellen durfte!