Montag, 6. Oktober 2014

Rezension zu "Das Lied von der unsterblichen Liebe" von Beate Rygiert

 Ein leises Buch, ein großartiges Buch!

Valentin ist Seiltänzer und längst in die Jahre gekommen. Er wurde einst von einer Kugel getroffen, doch er starb nicht. Seitdem lebt er mit der Kugel, die direkt neben seinem Herzen verweilt. Valentin fühlt sich unsterblich. Dann lernt er Cora kennen, gerade mal 14 Jahre jung und doch schon voll düsterer Gedanken. Cora, die sich ebenfalls unsterblich fühlt. Zusammen mit ihrem älteren Halbbruder Raoul war sie in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt. Raoul kam in den fürchterlichen Flammen um. Cora überlebte. Sie gibt ihrem Vater die Schuld an dem Unglück. Hätte er den ungeliebten Ziehsohn nicht immer wieder weggeschickt, dann wäre Raoul vielleicht noch am Leben. Cora kennt keine Angst. Sie fühlt sich groß. Sie fühlt sich stark. Und dann wächst in ihr der Plan, sich an ihrem Vater zu rächen, den sie einmal sehr geliebt hat, doch was ist aus ihrem Elternhaus geworden? Der Vater demütigt die Mutter, er geht fremd, er ist fast nie Zuhause. Und Ellen, ihre Mutter? Ihre Talente als Architektin und Künstlerin sind in ihrer Ehe verkümmert, sie selbst ist beinahe verstummt. Als Cora den jungen Adrian kennen lernt, empfindet sie endlich wieder so etwas wie gute Gefühle. Sie fühlt sich zu ihm hingezogen und doch kann sie ihn nicht ganz an sich heran lassen. Dem alten Seiltänzer Valentin hingegen erzählt sie ihre Geschichte. Die beiden erkennen, dass sie irgendwie gleich sind und doch so verschieden. Valentin kann dem jungen Mädchen bis in ihre Seele schauen, doch kann er sie auch retten?

"Das Lied von der unsterblichen Liebe" - allein schon das Cover hat mich magisch angezogen! Und der Roman selbst, ja, es ist ein Roman, der fasziniert. Ein Roman, wie man ihn nicht alle Tage zu lesen bekommt. Es ist ein außergewöhnlicher Roman. Es ist eine Geschichte über zwei Menschen, der eine Mensch alt, der andere Mensch jung. Es ist die Geschichte über zwei Menschen, die sich für unsterblich halten und die doch beide etwas ganz anderes aus ihrem Wissen machen. Mit einer enormen erzählerischen Kraft lernt der Leser die junge Cora kennen, ihre Gefühle, ihre Ängste, aber auch ihre Stärke, ihre Wut und ihre Trauer. Man fühlt mit ihr. Man leidet mit ihr. Und dann der alternde Valentin, der Seiltänzer, er kam mir beim Lesen wie ein alter Freund vor, wie jemand, der leise an mir vorbei schwebt. Wunderbar beschrieben auch Coras Mutter, die sich ihrem Mann regelrecht untertan gemacht hat und dann ganz langsam, ganz leise doch auf einmal ihren Weg findet. So vielschichtige interessante Persönlichkeiten, so gefühlvoll, so tragisch und doch einfach wunderschön und bewegend.

"Das Lied von der unsterblichen Liebe" - es ist ein leises Buch. Ein Buch, das aus der Masse heraussticht, einfach großartig!






Gebundene Ausgabe
304 Seiten
Verlag Droemer 
16,99 €


Herzlichen Dank, dass ich diesen wunderwunderschönen Roman lesen und besprechen durfte!

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