Sonntag, 17. September 2017

"Exit West" von Mohsin Hamid

Die Türen in ein neues Leben

Ein Land, dessen Namen man nicht erfährt. Ein Land, das auf einen Bürgerkrieg zusteuert. Zwei junge Menschen, die sich ineinander verlieben,  obwohl sie ganz unterschiedlich leben. Die beiden jungen Menschen sind Nadia und Saeed. Nadia lebt in ihrer eigenen kleinen Wohnung. Sie ist frei und unabhängig, doch der Preis für ihre Freiheit ist der, dass sie keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie hat. Nadia trägt über ihrer Jeans und ihrem Shirt ein schwarzes Gewand, aber nur, weil es sie vor anderen Männern schützen soll. Saeed lebt noch bei seinen Eltern. Er betet viel und regelmäßig.

Der Krieg nimmt Saeed die Mutter. Nadia zieht zu Saeed und seinem Vater, weil sie dort sicherer ist. Die beiden jungen Menschen planen die Flucht, denn da sind diese Türen, von denen die anderen sprechen. Türen in die Freiheit, Türen in ein besseres Leben. Nadia und Saeed wagen den großen Schritt. Ihre Stationen werden Mykonos, London und schließlich das ferne Amerika sein. 

"Exit West" - ein Buch mit einem äußerst aktuellen Thema, Flucht und Migration. Die Flucht selbst wird kaum beschrieben. Es sind lediglich Türen, durch die man hindurchgeht in eine andere Welt. Es geht ums Loslassen, Zurücklassen und ums Ankommen. Ankommen in der Freiheit. Ankommen in einer ihnen völlig fremden Welt.

In London findet das Paar Unterschlupf in einem besetzten Haus, doch die Einheimischen protestieren gegen immer mehr Migranten. Hass und Gewalt schlägt ihnen entgegen. Schließlich landen sie in Amerika. So viel haben die beiden miteinander erlebt, so viel Zeit haben sie miteinander verbracht und doch sind sie sich fremd geworden. Saeed wendet sich immer mehr dem Gebet zu, während Nadia endlich frei ist und doch nicht auf ihr schwarzes Gewand verzichten wird. 

"Exit West" - der Leser wird ganz offen mit dem Grauen eines Bürgerkrieges konfrontiert. Bomben fallen, Häuser und Existenzen werden ausgelöscht, Menschen geköpft und aufgehängt.

Trotz aller Gewalttätigkeit ist dieses Buch sehr poetisch geschrieben. Das widerspricht sich? Man muss dieses Buch wahrscheinlich erst lesen um zu verstehen, was ich damit ausdrücken möchte. Es ist ein sehr intensives Buch, das einen Leser wie mich aber auch etwas ratlos zurück lässt. Warum gibt Nadia ihre Verschleierung nicht auf? Diese junge Frau, die doch immer nach Freiheit gestrebt hat, die in der Heimat eine eigene Wohnung, die sogar Sex vor der Ehe hatte! Wieso tut sie das? Und wieso wendet sich Saeed immer mehr mit der Religion zu? Weil sie beide entwurzelt sind? Weil die Religion, der schwarze Umhang ein Stück Heimat bedeuten? Eine Lösung bietet das Ende der Geschichte nicht.  

Im Buch geht es übrigens nicht nur um die beiden jungen Menschen. Immer wieder werden kleine Begebenheiten von anderen Menschen von diesem Erdball mit eingeflochten. Menschen, die auch durch eine Tür gehen, die eine Entscheidung getroffen haben, ohne zu wissen, was dann passiert. 

"Exit West" - eine berührende Erzählung über entwurzelte Menschen, die durch Türen gehen, die in der Ferne einen Neuanfang suchen. Sehr lesenswert!





Gebundene Ausgabe
223 Seiten
Verlag: DUMONT





Herzlichen Dank an das Verlagsteam
für dieses Überraschungsbuch!




Freitag, 15. September 2017

"Die Spuren meiner Mutter" von Jodi Picoult

Der erste Roman der Autorin, der mich nicht überzeugen konnte

Die dreizehnjährige Jenna sucht ihre Mutter. Vor 10 Jahren ist diese spurlos verschwunden. Jenna wächst bei ihrer Großmutter auf, denn ihr Vater Thomas lebt in einem Heim. Ihre Eltern hatten sich einst in Afrika kennen gelernt, so Alice Metcalf, Jennas Mutter, die Trauer von Elefanten erforscht hat. Als Alice zurückkehrt nach Amerika, betreut sie zusammen mit Thomas ein Elefantenreservat in New Hampshire. Eines Tages kommt eine Tierpflegerin ums Leben und Alice verschwindet. Hat Alice damals tatsächlich ihre kleine Tochter allein zurück gelassen? 

Jenna will den Fall noch einmal aufrollen. Sie hört von dem Medium Serenity, die einst eine erfolgreiche Wahrsager-Show im TV hatte - bis sie sich einmal vertan hat. Jenna fragt diese, ob sie ihr in ihrem Fall helfen könne. Auch der Privatdetektiv Virgil kommt mit ins Spiel. Er war damals an dem Fall beteiligt, ist heute aber ein menschliches Wrack und dem Alkohol verfallen. Zusammen versuchen sie den Fall zu klären und erleben dabei die eine und andere Überraschung. 

Wer wie ich schon einige Romane von Jodi Picoult gelesen hat, wird auch gespannt auf dieses Buch gewesen sein, doch zum ersten Mal hat mich ihre Geschichte nicht gepackt. Wie immer in ihren Büchern, lässt die Autorin die verschiedensten Akteure zu Wort kommen. Der Leser bildet sich so ständig eine andere Meinung. Beim Lesen erfährt man meistens ein großes Gefühls-Karussell. Zum ersten Mal ist mir das nicht passiert. Mehrfach ist es  mir so ergangen, dass ich einige Passagen einfach nur quer gelesen habe.

Die Geschichte liefert wertvolle Informationen zum Trauerverhalten von Elefanten, doch was zu viel  ist, ist zu viel. Ich habe so viele Informationen erhalten, dass ich das Gefühl hatte, ich würde ein Sachbuch über Elefanten lesen. 

Vielleicht ist es auch nicht meine Geschichte, weil es zum Ende hin immer mystischer wird. Mystik und Geister sind nicht mein Fall, obwohl Jodi Picoults Roman "Zeit der Gespenster" auch von Geistern handelt. Er war aber dennoch komplett anders. 

"Die Spuren meiner Mutter" - leider nicht das, was ich mir erhofft hatte. Eine Geschichte, die mich nicht überzeugt hat. 



Gebundene Ausgabe
512 Seiten
Verlag: C.Bertelsmann





Herzlichen Dank an das Verlagsteam,
dass ich das Buch lesen und vorstellen durfte!


Donnerstag, 14. September 2017

"Du + ich = Liebe" von Heike Wanner

Eine großartige Geschichte über das Anderssein!

Ben ist seit einem Unfall querschnittsgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Am liebsten vergräbt er sich in einem Buch, doch dann tritt die quirlige Nika in sein Leben und krempelt dieses gehörig um. Die beiden verlieben sich ineinander, es kommt zum ersten Kuss und auch schnell schon zu viel mehr – entgegen aller Vorurteile und Einwände von Eltern und Mitschülern. Die beiden sind schon bald ein eingespieltes Team und beide merken, es ist die große Liebe, bis das Schicksal erneut zuschlägt.

„Du + ich = Liebe" - ein Jugendroman? Oh, nein! Diese Geschichte handelt zwar von zwei jungen Menschen, die auch noch zur Schule gehen, aber dieser Roman ist definitiv auch etwas für Erwachsene!

Ich war sehr neugierig, aber auch sehr gespannt, als ich von der Autorin gefragt wurde, ob ich das Buch lange vor dem eigentlichen Erscheinungstermin lesen könnte. Da ich schon einige ihrer Romane gelesen habe, habe ich sofort zugesagt, doch dieser Roman hier ist ganz anders als das, was sie bisher geschrieben hat.

Sie greift in diesem Roman das Thema „Anderssein“ auf und „Liebe zwischen einem behinderten und einem nichtbehinderten Menschen“. Nicht nur das Liebhaben, sondern auch die körperliche Liebe. Heike Wanner setzt dieses Thema sehr geschickt und gekonnt um. Wer hat nicht schon mal Menschen erleben müssen, die sich fragen ob „das“ sein muss?

Sehr viel Lebensgefühl fließt in diese Geschichte mit ein. Es ist eine mitreißende Geschichte, ein ganz wunderbarer Roman. Ich habe die Personen sofort ins Herz geschlossen, nicht nur Nika und Ben. Ich hatte Verständnis für Bens Mutter, die vor Fürsorge immer fast umkommt. Wer kann es ihr verdenken? Schließlich möchte sie nur das Beste für ihren Sohn, der durch ein böses Schicksal für immer an den Rollstuhl gefesselt sein wird. Lächeln musste ich immer, wenn Bens Vater ins Spiel kam. Er, der alles viel gelassener sieht und viel schneller verstehen kann, dass der Sohn erwachsen geworden ist und auch ein unabhängiges Leben führen möchte. Dann Nika selbst, diese lustige, aufgeschlossene Person, die man einfach mögen muss und die doch für ihr Alter und bedingt durch den frühen Tod und der Depression ihrer Mutter, viel zu schnell erwachsen werden musste. Verständnis auch für die Mutter, die den Tod des Ehemannes nicht überwinden kann und dann erneut mit dem Schicksal konfrontiert wird.

Heike Wanner hat hier einen Roman geschrieben, der berührt, der nachdenklich macht, der einen den Atem anhalten und doch auch glücklich seufzen lässt. Ein mitreißender Stil, eine warmherzig erzählte Liebesgeschichte zweier junger Menschen und ein ganz besonderes Thema. Kurzum: Wunderbar! Unbedingt lesen!





eBook
346 Seiten
Verlag: Edel Elements





Herzlichen Dank an Heike Wanner
für diese außergewöhnliche Geschichte!

Und herzlichen Dank an Mandy-Victoria Kramer
von Edel Elements, dass ich dieses wunderbare Buch lesen
und vorstellen durfte und auch dafür, dass du mir
meine Rezi noch einmal geschickt hast, die irgendwo im Datendschungel verschwunden ist.

Mittwoch, 13. September 2017

"Die echte kroatische Küche" von Ino Kuvačić

Nicht nur einfach ein Kochbuch

Heute möchte ich Euch zur Abwechslung auch mal wieder ein Kochbuch vorstellen, ein Buch über die leckere kroatische Küche. Es ist aber nicht nur einfach ein Kochbuch. Dieses Buch ist in zweiter Linie ein Bildband. Neben Bildern zu Rezepten werden dem Leser und Koch immer wieder wunderschöne Fotos über das sommerliche Kroatien gezeigt. Man hat sofort Lust, die Koffer zu packen und nach Kroatien zu fliegen. Da das leider nicht immer gleich möglich ist, hilft es vielleicht, erst einmal ein paar Rezepte nach zu kochen und davon gibt es reichlich. 

Meine persönlichen Highlights sind folgende Rezepte, da ich es gerne schnell, einfach und trotzdem lecker mag:

- Kroatische Kartoffeln
- Grillkartoffelsalat mit Frühlingszwiebeln
- Pasta mit Sardellen
- Seeteufel mit Tomaten und Bohnen
- Kaninchen auf dalmatinische Art
- Paprikatopf mit Hähnchen
- Kroatischer Apfelkuchen

Ein toll aufgemachtes Kochbuch, das auch ein wunderbares Geschenk für alle Kroatien-Liebhaber ist!






Gebundene Ausgabe
224 Seiten
Verlag: Südwest




Herzlichen Dank an das Verlagsteam
für dieses wunderschöne Kochbuch!

"Luisa und die Stunde der Kraniche" von Tania Krätschmar

Ein Sehnsuchtsroman!

Luisa, Schmuckdesignerin, nimmt sich 2 Wochen Auszeit im "Haus Zugvogel" in Zingst, das einstige Wohnhaus ihrer Großeltern und jetzt Ferienhaus der Familie. Der Luxus liebende Richard hat ihr einen Heiratsantrag gemacht und obwohl Luisa dem bequemen Leben im Luxus nicht abgeneigt ist, weiß sie plötzlich nicht mehr, ob Richard überhaupt der richtige Mann an ihrer Seite ist. An der Ostsee will sie über sich, über Richard und über ihre Zukunft nachdenken. 

Schon viel zu lange war sie nicht mehr im Haus ihrer Großeltern, dem Haus mit den alten Standuhren, die ihr Opa gesammelt und oft mit ihr zusammen aufgezogen und ihr von der blauen Stunde erzählt hat, der Stunde zwischen Tag und Nacht. Richard bevorzugt Urlaub in Luxus-Ressorts. Auch mit Luisas Familie kann er nicht viel anfangen. Auf diese Weise hat sich Luisa immer mehr von ihrer Familie entfernt. Richard bestimmt ihr ganzes Leben. Dann bekommt sie Besuch von ihrer Schwester Emilia und ihren Zwillingen Nina und Nike und Luisa wird langsam klar, auf was sie so lange verzichtet hat. 

Luisa lernt den smarten Kranich-Experten Jan kennen, der so spannend von den majestätischen Vögeln erzählen kann Er ist so anders als Richard, offen, fröhlich und er liebt die Natur genau so wie sie selbst. Und da ist etwas, das sie magisch zu ihm hinzieht. 

Und dann ist da auch noch die alte Mary, die ihr immer wieder begegnet, aber offenbar von anderen nicht wahrgenommen wird. Mary, die alte Dame, die ihr seltsam vertraut ist, die so weise Ansichten über das Leben hat und die Luisa sehr zum Nachdenken bringt, doch wer ist Mary wirklich?

"Luisa und die Stunde der Kraniche" - es ist ein wunderbarer Roman in einmaliger Kulisse der Halbinsel Fischland-Darss-Zingst. Eine eher leise Geschichte um Liebe und Zufälle - gefühlvoll, großartig. Ein Roman, wie ich ihn so sehr liebe. Ein Sehnsuchts-Roman. Wer schon einmal die Kraniche dort oben an der Ostsee beobachtet hat, der weiß, was ich meine. Und jedes Mal, wenn die Kraniche über meine Stadt hinweg ziehen, muss ich wieder an Zingst denken. An diese Weite des Meeres, das Rauschen des Windes und der Wellen. Dieser Roman weckt Sehnsüchte, die Sehnsucht, endlich wieder einmal dorthin zu fahren. 

"Luisa und die Stunde der Kraniche"  eine Geschichte, die man einfach lieben muss. Eine Geschichte, die glücklich macht, die aber auch zum Nachdenken anhält, die überlegen lässt, ob man auch achtsam genug mit sich selbst umgeht. Absolute Lese-Empfehlung!




Taschenbuch
335 Seiten
Verlag: blanvalet




Herzlichen Dank an das Verlagsteam für dieses wunderbare Buch!
Und ein großes Dankeschön an Tania Krätschmar,
dass du uns Lesern diese Geschichte geschenkt hast!





"Marlenes Geheimnis" von Brigitte Riebe

Ein sehr bewegender, ein sehr kluger Roman!

Als Eva Auberlin stirbt, treffen nach langer Zeit die Schwestern Marlene und Vicky aufeinander. Zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Auch Vickys Tochter Nane kommt zur Beerdigung an den Bodensee. Nane nimmt sich vor, länger bei ihrer Tante zu verweilen, braucht sie doch dringend eine Auszeit von ihrem Job, der sie immer mehr auszehrt. Kaum am Bodensee angekommen, rettet sie einen verletzten Hund und lernt einen Tierarzt kennen. Sie fühlt sich gleich zu ihm hingezogen, doch momentan hat sie andere Sorgen.

Von ihrer Tante Vicky erhält Nane einen Umschlag ihrer Großmutter. Darin enthalten ist ein Tagebuch. Als Nane beginnt zu lesen, taucht sie in die Vergangenheit der Familie ein und erfährt, wie ihre Großmutter Eva mit der damals noch kleinen Marlene  nach dem Krieg aus dem Sudetenland vertrieben wurde und an den Bodensee gekommen ist, um dort eine Schnapsbrennerei aufzubauen. 

"Marlenes Geheimnis" - als das Buch bei mir ankam, wollte ich erst einmal nur ein paar Zeilen lesen. Andere Bücher warteten schließlich schon viel länger darauf gelesen zu werden, doch ich konnte nicht mehr aufhören. Ich musste immer weiterlesen. Brigitte Riebe ist die geborene Geschichten-Erzählerin und mit ihrer packenden Sprache hat sie eine Zeit zum Leben erweckt, die vielen unbekannt ist. Es geht um die Vertreibung von Menschen aus dem Sudetenland.

Der Krieg ist vorüber, doch den Sudetendeutschen schlägt nur Hass entgegen. Sie müssen ihr Land verlassen. So kommt Eva an den Bodensee, wo sie den Kriegsheimkehrer Toni Auberlin heiratet und mit ihm eine Schnapsbrennerei aufbaut. 

Nane und ebenso der Leser werden regelrecht in die Geschichte hineingezogen. Es ist eine bewegende, eine nachdenklich stimmende Geschichte und vor allen Dingen ist es auch ein Stück deutsche Geschichte. Als ich das Kapitel über Lidice gelesen habe, musste ich manches Mal den Atem anhalten. Spannung, Entsetzen, Rührung. Sämtliche Gefühle wechselten sich ab. 

Brigitte Riebe hat es wieder einmal geschafft, dass gewaltige Bilder beim Lesen entstanden sind. Trotz aller Gräueltaten des Zweiten Weltkrieges, die im Roman nicht verheimlicht werden, schafft die Autorin es, den Leser mit ihrer Geschichte und ihren Protagonisten zu verzaubern auf der Suche nach Liebe und Heimat. 

"Marlenes Geheimnis" - ein sehr bewegender, ein sehr kluger Roman. Unbedingt lesen!





Hardcover
432 Seiten
Verlag: DIANA





Herzlichen Dank an das Verlagsteam
für das wunderbare Buch!

Herzlichen Dank, liebe Brigitte
für diese sehr berührende Geschichte!

Dienstag, 12. September 2017

"Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands" von Salatore Basile

Nicht meins.

Es gibt Bücher, deren Geschichten einfach nicht meine sind. Diese Geschichte hier gehört dazu. Ein Bestseller aus Italien. Internationales Phänomen. Der Klappentext machte mich neugierig. Es sah nach einem Buch, nach einer Geschichte für mich aus, aber ich habe mich von Anfang schwer damit getan. Mit dem jungen Michele konnte ich mich schnell anfreunden. Eine leise, unauffällige Gestalt, aber dann kommt diese Elena, laut, so überpräsent. Ich habe diesem Buch wirklich eine Chance gegeben, aber ich habe nach nicht mal 100 Seiten aufgegeben. Diese Geschichte hat schon sehr viele Anhänger gefunden und sie ist bestimmt auch gut, aber sie ist eben nicht meine Geschichte.





Gebundene Ausgabe
350 Seiten
Verlag: blanvalet

Sonntag, 3. September 2017

"Die Kapitel meines Herzens" von Catherine Lowell

Eine schöne Idee, aber leider nicht meine Geschichte

Samantha ist bei ihrem Vater groß geworden. Er, der Autor Tristan Whipple und direkter Nachfahre der Bronté-Familie. hat Sam sogar selbst unterrichtet. Sie lebt in seiner Welt der Bücher. Oft entdeckt Sam Bücher, in denen ihr Vater ein Lesezeichen für sie versteckt hat. Es sind kleine Hinweise für das Mädchen, Geschichten, die sie herausfinden soll. 

Als Sams Vater stirbt, hinterlässt er ihr lediglich ein Lesezeichen. Was hat es mit diesem Lesezeichen auf sich? Ist es wieder mal ein Hinweis, dem sie nachgehen soll? Sam geht auf das Old College in Oxford, eine renommierte Schule. Hier wird ihr ein Zimmer in einem kalten Turm zugewiesen. Das Zimmer teilt sie mit der "Gouvernante", einer Frau, die von einem Bild zu ihr herunterschaut und die ihr irgendwie ähnlich zu sein scheint. 

In dieser alt ehrwürdigen Schule versucht Sam, das Geheimnis des Lesezeichens zu erforschen, doch immer wieder wird sie abgelenkt, denn da dort gibt es ihren durchaus attraktiven Tutor und auch der smarte Schwede sucht immer ihre Nähe. 

"Die Kapitel meines Herzens" - die Beschreibung des Buches hat in mir sofort den Wunsch aufkommen lassen, dieses Buch unbedingt lesen zu wollen, aber jetzt habe ich es ausgelesen und bleibe etwas ratlos zurück. Der Titel mag so gar nicht passen und irgendwie dreht sich die ganze Geschichte immer und immer wieder um die drei Bronté-Schwestern. Natürlich, Sam soll mit Hilfe des Lesezeichens etwas herausfinden, aber wer wie ich die Geschichte der schriftstellerischen Schwestern nur oberflächlich kennt, fühlt sich oft versucht, einfach ein paar Absätze zu überspringen. 

Sam geht auf das Old College. Vor meinen Augen sah ich eine Schule ähnlich der von Harry Potter, doch in Catherine Lowells Schule waren keine anderen Schüler, keine Lehrer. Ein großes altes Gebäude, aber quasi ohne Menschen. Vieles blieb beim Lesen undurchsichtig, leicht verworren. 

Die Idee der Autorin finde ich wunderbar, doch mich persönlich konnte die Geschichte nicht erreichen. Ich konnte nicht eintauchen. Mir fehlten echte Persönlichkeiten, richtige Bilder.





eBook
352 Seiten
Verlag: Atlantik




Auch wenn es nicht mein Buch war,
trotzdem herzlichen Dank an das Verlags-Team!

Ich bin mir sicher, dass das Buch trotzdem
ganz vielen Menschen gefallen wird. 




Samstag, 2. September 2017

"Mein Tanz mit Rommel" von Elisabeth Marrion

Bewegend, nachdenklich und voller Hoffnung!

Als Elisabeth Marrion mich fragte, ob ich ihr Buch lesen wolle, habe ich sofort zugesagt. Ich habe dieses Buch gesehen und ich wusste, ich MUSS es lesen. Als es dann kam, habe ich es allen anderen vorgezogen. Ich habe erst nur ein paar Zeilen gelesen, doch dann konnte ich einfach nicht mehr aufhören. 

In ihrem Buch schreibt Elisabeth Marrion über das Leben ihrer Mutter in den Jahren 1926 bis 1945. Hildes Familie kämpft nach dem Ersten Weltkrieg noch immer mit dem Überleben. Es fehlt einfach an allem. Mit gerade mal 14 Jahren wird sie von ihrer Familie nach Berlin geschickt. Hilde macht sich ganz allein auf den Weg in die große Stadt, wo sie ihre erste Stelle als Hausmädchen antreten wird. 

Die junge Hilde lernt schließlich Karl kennen. Die beiden verlieben sich unsterblich ineinander, sie heiraten. Für Karls Eltern ist Hilde jedoch nicht gut genug. Sie bleiben der Hochzeit fern. 

Dann der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Karl ist Offizier bei der Wehrmacht. Er wird eingezogen. Hildes Leben besteht aus Hoffen und Bangen. Überall Verzicht, Tod, Trauer und großes Leid. Immer mehr Männer werden eingezogen. Hilde und ihre Freundin Maria versuchen, mit den Kindern ein einigermaßen normales Leben zu führen, was nicht einfach ist, angesichts der Tatsache, dass Lebensmittel immer knapper werden. Die Menschen hungern, frieren. Ab und zu bekommt Karl Heimaturlaub und kann die Familie besuchen. Nach den viel zu kurzen Besuchen und immer neuen Einberufungsbefehlen, kündigt sich meistens ein neues Kind an. Die Frauen rücken zusammen, helfen sich gegenseitig und sie hören heimlich BBC, den Feinsender, der immer genau das Gegenteil von dem berichtet, was die Propaganda mitteilt.

Es ist gefährlich geworden. Wem kann man noch trauen? Wer hört eventuell mit? Menschen verschwinden spurlos. Die Zeiten im Luftschutzkeller. Die Angst vor neuen Bombardierungen und den Tod, den die Bomben bringen, ist fast spürbar und doch kann man nicht wirklich fassen, was diese Menschen damals durchgemacht haben müssen. Hilde bangt um ihre polnischen Freunde, die auch von Verfolgung bedroht sind. 

Als Karl wieder einmal auf Heimaturlaub ist, werden er und Hilde zu einem Ball eingeladen. Generalfeldmarschall Rommel bittet Hilde, mit ihr den Tanz eröffnen zu dürfen. Karl dienst unter Rommel und wird von diesem gut angesehen. Beim Tanz sagt dieser zu Hilde, falls sie jemals einen Wunsch haben sollte, er würde versuchen, ihr diesen zu erfüllen und Hilde hat einen Wunsch! Einen  Wunsch, der sie in diesem Augenblick in große Schwierigkeiten hätte bringen können. 

"Mein Tanz mit Rommel" - es ist ein faszinierender Tatsachen-Roman über eine mutige Frau, die über sich selbst hinaus gewachsen ist. Eine Frau, die eine der schlimmsten Zeiten überhaupt miterleben musste. Als Leser erfährt man viel über den Alltag dieser Familien ohne Männer. Kinder, denen die eigenen Väter fremd sind. Väter, die sie vielleicht nur von Fotos her kennen. Ein Leben in Angst und Not und doch voller Hoffnung.

Elisabeth Marrion ist es gelungen, ein ganz beeindruckendes Werk zu schaffen. Dieses Buch ist sehr intensiv, sehr berührend. Es ist die bewegende und nachdenklich stimmende Geschichte ihrer eigenen Mutter. Zudem ist es ein Stück deutscher Geschichte. Unbedingt lesenswert!



Broschierte Ausgabe
204 Seiten
Edition Noema




Liebe Elisabeth, noch einmal ganz, ganz herzlichen Dank
für dieses Buch, dessen Geschichte ich nicht vergessen werde!


Lesezeit im August

Meine August-Bücher:





Mittwoch, 30. August 2017

"Louisas Vermächtnis" von Ella Carey

Eine großartige und spannende Geschichte!

Sarah, die die Trennung von ihrem Mann und den Tod der Eltern noch nicht ganz verwunden hat, findet im Nachlass des Vaters einen Brief, der sie in das Paris der Belle Époque führt. Es ist ein Brief der berühmten Kurtisane Marthe de Florian, einer Halbweltdame. Ein Brief, in der Sarahs Urgroßtante Louisa erwähnt wird, die einst Henry Duval geheiratet hat, einen Lebemann und die auf tragische Weise ums Leben gekommen ist. Sarah ist fasziniert von der Geschichte der Urgroßtante, heißt es doch, sie hätte sich auf einer Gesellschaft in Paris das Leben genommen.

Sarah fliegt nach Paris, wo sie sich eine Wohnung mit dem Künstler Laurent teilt. Laurent übt eine ungewöhnliche Anziehungskraft auf Sarah aus, ist ansonsten aber eher unnahbar, verletzlich. Sarah versucht, das Geheimnis ihrer Familie aufzudecken und findet dabei das eigene große Glück.

"Louisas Vermächtnis" - eine wunderbare spannende Geschichte, erzählt auf zwei Zeitebenen. Eine Geschichte, die den Leser immer wieder nach Paris führt, in das Paris der Belle Époque, das Paris voller Künstler, voller Leben. Es ist die Geschichte von Henry und Louisa. Henry, dem Lebemann, der Louisa getäuscht hat, der lediglich standesgemäß heiraten musste, um dann aber weiterhin sein Leben in Paris zu führen, zusammen mit der Halbweltdame Marthe de Florian. Louisa, die schnell erkennen musste, dass Henry nicht der ist, der er zu sein vorgab, doch es gab kein Zurück mehr. Louisa, die sich mit ihrem Schicksal abgibt und sich stattdessen um die Gleichstellung von Mann und Frau kümmern will.

Es ist aber auch die Geschichte von Sarah, die nach Trennung und Tod zu sich selbst sucht, die jahrelang immer nur das getan hat, was ihr Mann verlangt hat. Sarah, die endlich mal wieder etwas wagt, die plötzlich das macht, worauf sie Lust hat und die Laurent kennenlernt. 

"Louisas Vermächtnis" - eine großartige und auch spannende Geschichte, die mir wunderbare Lesestunden beschert hat.




Broschiert
350 Seiten
Verlag: Amazon crossing


Donnerstag, 17. August 2017

"Die Tänzerin von Paris" von Annabel Abbs

Ein steter Bilder- und Gefühlsrausch!

Lucia Joyce ist eine begnadete Tänzerin. Die Welt des Tanzes steht ihr offen. Tanzen ist ihr Leben. Sie braucht den Tanz wie die Luft zum Atmen. Ihr Vater, der berühmte Schriftsteller James Joyce und ihre Mutter halten die Tanzerei jedoch eher für eine Spinnerei der Tochter. Der Vater möchte nicht, dass Lucia öffentlich auf Bühnen vor Publikum auftritt. Lucia soll nur für ihn allein tanzen. Sie ist seine Muse, seine Inspiration.

Lucia sehnt sich nach einem selbst bestimmten Leben. Sie möchte so sein wie die anderen jungen Frauen in Paris. Sie möchte zur Bohème gehören. Ihre Eltern unterdrücken jedoch jeden noch so kleinsten Versuch, ein eigenes Leben zu führen. Lucia muss für ihren Vater Briefe schreiben, sie wird als Botin missbraucht. Ihr Vater schreibt seit vielen Jahren an nur einem Werk. Aushalten lässt er sich von diversen Mäzenen, den "Schmeichlern". 

Als Samuel Beckett beginnt ihrem Vater vorzulesen, weil dieser zu erblinden droht, verliebt sich Lucia ganz heftig in den jungen Mann, doch die Tänzerin muss eine herbe Enttäuschung hinnehmen. Ihre Liebe wird nicht so erwidert wie erhofft. Lucia verliebt sich ein weiteres Mal, doch auch diesmal ist es nicht der Richtige. Ein Dritter ergreift die Flucht. Ihr Leben lang wird sie Samuel Beckett lieben. 

Während ihr Bruder Giorgio von der Mutter vergöttert wird, wird Lucia von ihr mit Hass übersäht. Mutter wie Vater hindern sie immer wieder am Tanzen, so lange, bis sie es schließlich aufgibt. Lucia ist am Ende, wird letztendlich sogar von ihrem eigenen Bruder in eine Heilanstalt gebracht. 

Lucia befindet sich in Zürich in Behandlung des Arztes C.G. Jung, der ihr dringend rät, keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater zu haben, doch Lucia kann nicht anders. Sie kann ihren geliebten Babbo doch nicht alleine lassen. Er braucht sie doch. Dr. Jung versucht auf den Grund von Lucias Verhalten und  Zusammenbruch zu kommen, doch lesen Sie selbst...

"Die Tänzerin von Paris" - der Autorin gelingt es hervorragend mit ihrer Sprache die Personen zum Leben zu erwecken. Man spürt Lucias Drang zu tanzen. Man spürt ihre Enttäuschung, wenn sie es wieder einmal nicht darf. Es ist die sehr bewegende und tragische Geschichte einer jungen Frau, die doch einfach nur tanzen wollte, deren Leben aus Tanz bestand und die von ihren gefühlskalten und egoistischen Eltern missbraucht und gedemütigt wurde, so lange, bis sie schließlich zusammenbrach. Der Leser befindet sich in einem steten Bilder- und Gefühlsrausch, umso mehr, da es sich um eine wahre Geschichte handelt. 

"Die Tänzerin von Paris" - sehr intensiv, sehr berührend, sehr schockierend.




eBook
512 Seiten
Verlag: Aufbau




Mein Dank gilt mal wieder dem Team des Aufbau-Verlages!
Danke, dass ich dieses großartige Buch
lesen und besprechen dufte!

Mittwoch, 16. August 2017

"Neuanfang auf italienisch" von Evelyn Kühne

Ein richtig schönes Sommerbuch!

Lene, die ihrem Mann immer den Rücken frei gehalten hat, wird von ihm betrogen. Von einer Geschäftsreise nach Thailand bringt er die neue Frau gleich mit. Bei einem Arztbesuch entdeckt Lene das Inserat einer Pension am Gardasee. Da wird nicht mehr lange überlegt. Lene gönnt sich eine Auszeit. sie packt ihr Auto und fährt nach Italien. Hier will sie die Ruhe genießen und Kraft tanken. Ihr bisher eher beschauliches Leben wird dann aber ganz schnell auf den Kopf gestellt. Sie lernt gleich am ersten Tag den charmanten Italiener Stefano kennen und wenig später Ines Bruder Bastian.
Lene genießt die Tage am See. In einem kleinen Laden kauft sie eine Kette mit den dazu passenden Ohrringen und plötzlich ist sie nicht nur von zwei Männern umgeben, die um ihre Gunst bemüht sind, sondern sie ist auch in einem mysteriösen Fall verwickelt. 

"Neuanfang auf italienisch" -  die Geschichte entführt den Leser nach Italien an den Gardasee. Wenn Lene dort spazieren geht, hat man das Gefühl an ihrer Seite zu sein, so schön sind die Plätze und Orte beschrieben. Ein richtig schönes Sommerbuch, mit dem man angenehme, entspannte Stunden auf der Terrasse verbringen kann.





eBook
331 Seiten
Verlag: Forever



"Ziemlich alte Helden" von Simona Morani

Ein Roman mit viel Witz und Weisheit

Die Autorin entführt uns in ein italienisches Dorf. Hier leben ein paar Freunde, alle über 80 Jahre alt. Regelmäßig treffen sie sich in ihrer Lieblingsbar "La Rambla", wo sie heimlich rauchen, trinken und Karten spielen. Ihr beschauliches Leben wird gestört, als der Polizist Corrado seinen Dienst im Dorf antritt. Ihm sind die alten Freunde ein Dorn im Auge. So schnell wie möglich möchte er die Männer in das Altenheim umsiedeln, das in Kürze eröffnen wird, doch Corrado hat nicht mit der List der Freunde gerechnet. 

"Ziemlich alte Helden" - ein leiser Roman mit Protagonisten, die einem sofort ans Herz wachsen. Wer kennt sie nicht, die alten Männer, die man meistens im Süden unter einer alten Platane zusammen sitzen sieht? Sie reden, sie trinken, sie lachen.

Da ist zum Beispiel Gino, fast blind und der trotzdem noch mit einer Ape durchs Dorf fährt. Die Ape ist frisiert, so dass jeder Gino schon von Weitem hören kann und er zu keiner Gefahr für die anderen Dorfbewohner wird. Und da ist Ettore, der jeden Tag zum Arzt geht und es immer so dreht, dass er als letzter aufgerufen wird. Ettore, eigentlich kerngesund. 

"Ziemlich alte Helden" - ein Roman mit viel Witz, aber auch mit viel Weisheit. Es geht um Freundschaft, ums Alleinsein und es geht um Liebe im Alter. 

Ein wunderbares, charmantes Buch, das man sich nicht entgehen lassen sollte.



eBook
208 Seiten
Verlag: carl´s books





Dienstag, 15. August 2017

"Das Café unter den Linden" von Joan Weng

Ganz großes Kino!!!

Die junge Fritzi hat einen Traum. Sie möchte Drehbücher für die UFA schreiben und so reist sie mit nichts als ihrer Reiseschreibmaschine nach Berlin. Ihr Vater hatte im Großen Krieg Bekanntschaft mit dem Grafen von Keller gemacht und dort will Fritzi nun hin, mit ihr der Wunsch, dort Arbeit und Unterkunft zu finden fürs Erste. Der Graf sieht zunächst keinen Bedarf, doch Rosa und Wlad haben Mitleid mit der jungen Frau. Sie darf bei den beiden Männern auf dem Sofa schlafen. Als Inge, das bisherige Tippfräulein ihre Stelle schmeißt, ergreift Fritzi ihre Chance und bleibt. Sie schreibt für den Grafen, der sich mit kleinen Artikeln versucht über Wasser zu halten. Seine baufällige Villa verschlingt Unsummen an Geld. Eine Villa, in der Maler, Schriftsteller und Musiker verkehren. Sie gehen dort ein und aus, sie lieben das Leben.

Und abends trifft man sich im "Café unter den Linden", wo ausschweifend Champagner getrunken wird, wo man tanzt, wo man feiert. Man lebt schließlich nur einmal! Hier tritt Jonny Gable auf, ein Sänger, der auch in der Villa des Grafen verkehrt. Der schöne Jonny, der eine Skandalnudel zu sein scheint, der nichts anbrennen lässt und doch ganz anders ist. 

Fritzi freundet sich mit ihrer Vorgängerin Inge an, die nun als Ladenfräulein arbeitet. Inge nimmt sie überall mit hin und so langsam gewöhnt sich Fritzi an das Berliner Leben der Zwanziger Jahre. Als man ihr eine Rolle als Schauspielerin anbietet, ist sie ihrem UFA-Traum ganz nahe, doch eigentlich wollte sie ja Drehbücher schreiben und nicht vor der Kamera stehen. Und dann ist da auch noch der Graf, zu dem sie sich irgendwie hingezogen fühlt.

"Das Café unter den Linden" - ganz großes Kino!!! Joan Weng entführt den Leser in das Berlin der Zwanziger Jahre und sie tut es auf eine so ganz spezielle Art und Weise, dass man das Gefühl hat, man sei dabei. Wie aus der eher schüchternen Fritzi eine junge Frau wird, die sich in Berlin behauptet und ihren Platz findet, es ist einfach wunderbar, als Leser an ihrer Seite sein zu dürfen. 

Die Personen des Romans muss man einfach lieben. Fritzi sowieso, aber auch Inge, die ihr das Leben in der prickelnden Stadt zeigt. Hans, der verarmte Graf, der vielen Künstlern ein Zuhause gibt, obwohl er selbst kein Geld hat. Das chaotische, schwule Paar Rosa und Wlad, aber auch Jonny.

Diese Geschichte ist voller Energie, voller Leben, voller Liebe, Musik und Tanz - und voller Champagner! Trotz Geld und prickelnder Getränke zeigt die Autorin aber auch das wahre Leben. Zum Beispiel das Leben von Inge, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt, die immer noch bei ihrer Mutter lebt und die trotzdem das Leben in vollen Zügen genießt. 

Was muss das für eine Zeit gewesen sein! Die Menschen nach dem Großen Krieg so regelrecht gierig nach Leben. Die Frauen frei, die Kleider kurz. Verrückte Menschen, verrückte Mode. Erlaubt war, was gefällt. Das pulsierende Berliner Leben, man spürt es so deutlich, dass ein Film vor dem eigenen Auge abläuft. Und was liebe ich die Bezeichnungen Tippfräulein und Ladenfräulein! Herrlich!

"Das Café unter den Linden" - ein großartiger Roman! Unbedingt lesen!



eBook
304 Seiten
Verlag: Aufbau




Herzlichen Dank an Christine Seiler vom Aufbau-Verlag,
dass ich das Buch lesen und vorstellen durfte!

Herzlichen Dank an Joan Weng für diese wunderbare Geschichte!
Joan Weng, du hast einen neuen Fan!


Montag, 14. August 2017

"Wildblumensommer" von Kathryn Taylor

Eine alte Liebe und viele Geheimnisse...

Die erfolgreiche Zoe hat ein Aneurysma und muss schnellstmöglich operiert werden. Die Zeit bis zur Operation will sie nutzen, noch einmal nach Cornwall zu fahren, dorthin, wo sie früher so viel Zeit mit ihrer Familie verbracht hat, bis ihr Bruder diesen verhängnisvollen Unfall hatte und starb. Zoe möchte unbedingt das Strandhaus mieten, das Haus, in dem sie früher die Urlaube verbracht haben, doch das Haus wird inzwischen von ihrer Freundin Rose und deren Kindern bewohnt. Doch wozu sind Freundinnen da? Sie tauschen einfach kurzerhand die Wohnungen! Zoe fährt nach Cornwall und bewohnt das geliebte Strandhaus. Rose bringt ihre Kinder bei der Familie unter und fährt alleine nach London in die Villa der Freundin.

Zoe will endlich Licht in die Vergangenheit bringen. Hatte Chris damals wirklich nur einen Unfall oder steckt doch mehr dahinter? Als sie die ersten Nachforschungen versucht zu betreiben, will der Dorfpolizist ihr nicht unbedingt helfen. Der Fall sei längst abgeschlossen, doch Zoe gibt nicht auf. Und schließlich trifft sie auf Jack, ihre alte große Liebe, doch Jack hat inzwischen einen Sohn. Längst vergessene Gefühle werden geweckt, doch hat diese alte Liebe überhaupt eine Chance?

"Wildblumensommer" - es ist ein sehr gefühlvoller, ein großartiger Roman! Was habe ich mit Zoe mit gelitten! Ihre Krankheit, die bevorstehende Operation, die immer häufiger auftretenden Aussetzer. Wird sie es rechtzeitig schaffen? Und vor allen Dingen, wird sie es schaffen, das Geheimnis um ihren verstorbenen Bruder Chris zu lüften? Und warum  ist ihre Liebe zu Jack damals zerbrochen? 

Eine sehr schöne Nebenrolle spielt in dem Roman aber auch Zoes Freundin Rose, die den Wohnungstausch nutzt, um in London einmal etwas ohne ihre Kinder zu unternehmen. Ausgerechnet dort begegnet sie dem smarten Simon, ein Anwalt, der für einen gut situierten Kunden den Preis für Zoes Villa verhandeln soll, doch diese ist sich gar nicht sicher, ob sie die Villa überhaupt verkaufen soll. Zwischen Rose und Simon prickelt es gewaltig, doch Rose verpasst die Gelegenheit, dem Anwalt von ihren Kindern zu erzählen. 

"Wildblumensommer" - dieses Buch habe ich von der ersten Seite an geliebt! Es hat alles, was ein Sommerbuch so braucht: Eine wunderbare Liebesgeschichte (eigentlich sind es sogar zwei), eine tolle Landschaft, die wunderbar beschrieben wird und Lust macht auf eine Reise nach Cornwall und ein Familiengeheimnis. 

"Wildblumensommer" - so schön geschrieben, dass man nicht mehr aufhören kann zu lesen! Zudem steckt viel mehr in dem Buch, als Titel und Cover vermuten lassen. 





Taschenbuch
400 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe





Liebe Kathryn, herzlichen Dank f
ür diesen wunderbaren Roman! 


Sonntag, 13. August 2017

Meine Juli-Bücher

Ihr Lieben,

wir befinden uns zwar schon Mitten im August, aber wegen unseres schönen Urlaubs bin ich nicht dazu gekommen, Euch noch einmal meine Juli-Bücher vorzustellen.

Hier sind sie:







Die Rezensionen zu "Wildblumensommer" von Kathryn Taylor und "Das Café unter den Linden" von Joan Weng folgen  in Kürze!

Donnerstag, 27. Juli 2017

"Via dell'Amore - Jede Liebe führt nach Rom" von Mark Lamprell

Sommer, Sonne, Rom

Alice, die junge Kunststudentin, die einmal etwas Außergewöhnliches machen möchte, die erst nach Rom fährt, um später nach Florenz weiterreisen zu wollen, um dort ihren Verlobten Daniel zu treffen. Eine junge Frau, deren Weg vorgezeichnet zu sein scheint, die in Rom aber auf eine Gruppe Architekturstudenten trifft, die sie überreden, einfach eine Nacht zu bleiben und erst am nächsten Tag weiter zu reisen. 

Und dann sind da Meg und Alec, die beiden, die seit 18 Jahren verheiratet sind und deren Liebe irgendwann verloren gegangen ist. Im Rom hatten sie einst ihre schönste Zeit verlebt. In Rom hat Meg damals eine wunderschöne blaue Fliese entdeckt und mitgenommen. Nun ist sie auf der Suche nach deren Werkstatt. Es ist wie eine Mission für sie. Alec begleitet sie nur auf dieser Reise, weil er Megs Geburtstag und den gemeinsamen Hochzeitstag mal wieder vergessen hat. Vielleicht ist Rom auch ein Neuanfang?

Und letztendlich sind da die beiden alten Damen Constance und Lizzie, die Constances verstorbenen Ehemann Henry den letzten Wunsch erfüllen wollen, doch Constance möchte in Rom noch etwas anderes entdecken. 

"Via dell'Amore - Jede Liebe führt nach Rom" - es ist die Geschichte einer Handvoll Menschen, eine Geschichte, die sich lediglich an 2 Tagen im Leben dieser Menschen ereignet, in der ihr Weg sie nach Rom geführt hat. Eine lockere, leichte Sommerlektüre, bei der man die Protagonisten bei ihren Spaziergängen durch Rom begleitet. Ich persönlich hätte mir etwas mehr Zusammenhang gewünscht, vielleicht auch nur die Geschichte von Constance, ihrem verstorbenen Mann Henry und seiner Schwester Lizzie, denn die beiden alten Damen haben es mir irgendwie angetan. 




eBook
320 Seiten
Verlag: Blanvalet




Herzlichen Dank an das Verlagsteam,
dass ich das Buch lesen und vorstellen durfte!



Montag, 24. Juli 2017

"Die Farben im Spiegel" von Deniz Selek

Von der ersten und einzig wahren Liebe

Alev und Koray, zwei Kinder, die in Istanbul aufwachsen. Beide haben eine deutsche Mutter und einen türkischen Vater. Schon sehr früh steht für Koray fest, dass er Alev irgendwann heiraten wird. Beide Familien verlassen die Türkei, ziehen nach Deutschland. Der Kontakt wird seltener, doch ganz abbrechen wird er nie. Koray ist immer irgendwie in Alevs Gedanken und umgekehrt genauso. Sehen tun sie sich jedoch nur in den Sommerferien in der Türkei. Beide werden erwachsen, verlieben sich in andere Partner, bekommen Kinder, doch vergessen tun sie den anderen nie. 

Irgendwann ist Alev unzufrieden mit ihrem Leben. Sie fühlt sich eingeengt. Immer öfter muss sie an ihre Jugendliebe denken, an Koray. Kann es tatsächlich sein, dass es dieses eine, diese nie aufhörende Liebe gibt? Und wie mag Koray darüber denken?

"Die Farben im Spiegel" - ein wunderbarer, warmherziger und liebevoller Roman über die Liebe, über die erste und einzig wahre Liebe. So schön geschrieben, dass man nicht mehr aufhören kann zu lesen. Ein Roman, der abwechselnd in der Türkei und in Deutschland spielt. Eine Geschichte über Menschen zwischen zwei Kulturen, die irgendwie immer auf der Suche nach Liebe und nach Heimat sind. 

"Die Farben im Spiegel" - ein eher stilles Buch über Menschen, wie wir sie vielleicht alle als Nachbarn, als Kollegen haben. Federleicht zu lesen und voller Liebe geschrieben. Absolut lesenswert!




eBook
304 Seiten
Verlag: DROEMER





Herzlichen Dank an Monika Neudeck vom Verlag Droemer Knaur, die mich auf dieses wunderbare Buch aufmerksam gemacht hat!

Samstag, 22. Juli 2017

"Herzensräuber" von Beate Rygiert

Ein Roman, den man einfach lieben muss!

Tobias betreibt ein Antiquariat, doch es läuft nicht besonders gut. Er ist zu gutherzig, tauscht, mehr, als dass er verkauft und zuweilen verschenkt er auch einfach seine Bücher. Wach wird er erst, als ihm die Steuerprüfung im Nacken sitzt und dabei heraus kommt, dass seine Ex-Freundin Vanessa ihn in finanziellen Dingen betrogen hat. Trotz dieser Umstände scheint er immer noch an ihr zu hängen. Tobias braucht dringend Urlaub und so fährt er für einige Zeit nach Spanien, um auf andere Gedanken  zu kommen. Dort läuft ihm ein Hund zu, ein Straßenhund, aber er scheint anders zu sein, als die Hunde aus seinem Rudel. Kurzerhand darf der Hund bei ihm bleiben. Er nennt ihn Zola und Zola findet den Namen zwar ungewöhnlich, doch er mag ihn. Vor allen Dingen mag er seinen neuen Menschen. 

Zurück in Deutschland, stirbt Tobias´ Großmutter. Sie hinterlässt ihm eine große Villa und finanziell hat er plötzlich auch ausgesorgt. Als er sich die Villa ansieht, muss er feststellen, dass diese schon bewohnt ist. Im Pförtnerhäuschen wohnt Alice mit ihren Tochter Emma. In der Villa selbst lebt die garstige Frau Kratzer. Doch Tobias wäre nicht Tobias, wenn er nicht auch aus dieser Situation das Beste machen würde. Sein Antiquariat verlagert er in die Villa und Zola ist ihm beim Verkaufen der Bücher eine große Hilfe, denn der Schnauzermischling scheint instinktiv zu wissen, welches Buch, welcher Herzensräuber, gut ist für den einzelnen Menschen. Und nicht nur das, er weiß auch, dass Alice und Tobias zusammen gehören, doch dann steht plötzlich Vanessa vor der Tür...

"Dieses Buch zu lesen ist die schönste Art, sich sein Herz stehlen zu lassen!" - so steht es im Begleittext zum Buch. Mehr brauche ich eigentlich gar nicht zu sagen. Das Cover allein ist schon sehr einnehmend, aber hat man erst einmal die ersten Seiten gelesen, so ist man verzaubert. Von Tobias, der für diese Welt einfach zu gut zu sein scheint und natürlich von Zola, der in jedem den Wunsch wecken wird, auch so einen Hund zu haben. Alice und Emma, die beiden, die vorne im Pförtnerhaus wohnen und die ein Geheimnis zu umgeben scheint und natürlich Frau Kratzer, die ihrem Namen alle Ehre macht, so kratzbürstig sie sich gibt und doch habe ich vor allen Dingen die alte Dame in mein Herz geschlossen - neben Zola natürlich!

"Herzensräuber" - ein Roman, den man einfach lieben muss! Ein Buch über das Zusammenleben von Menschen, ein Buch über Freundschaft, eine Geschichte über die besondere Beziehung zwischen Mensch und Hund und natürlich auch eine Geschichte über die Liebe zu Büchern. 

Beate Rygiert hat es wieder einmal geschafft, mich mit ihrer Geschichte zum Träumen zu bringen. Diese Geschichte ist wie eine liebevolle Umarmung. 

"Herzensräuber" - zauberhaft, romantisch, wunderbar! Unbedingt lesen!




Taschenbuch
382 Seiten
Verlag: blanvalet






Liebe Beate, liebes Verlags-Team, herzlichen Dank
für die Überraschungspost, die genau richtig kam!

Mittwoch, 19. Juli 2017

"Im Lautlosen" von Melanie Metzenthin

Eine unheimlich starke Geschichte, die einen packt, die einen nicht mehr loslässt...

Wir schreiben das Jahr 1926. Richard und Paula studieren. Beide wollen den Beruf des Arztes erlernen. Die jungen Leute verlieben sich ineinander. Sie wollen heiraten und haben doch gegen Standesdünkel anzukämpfen. Richard ist schließlich "nur" der Sohn eines Tischlers. Nichts kann ihre Liebe zerstören. Sie heiraten. Sie bekommen die Zwillinge Emilia und Georg. Das Glück scheint perfekt zu sein, doch Georg ist gehörlos. Richard und Paula versuchen alles, um Georg eine ganz  normale Kindheit zu bescheren. Zusammen mit der kleinen Emilia erlernen sie die Gebärdensprache, doch dann kommen die Nazis an die Macht und ein Mensch wie der kleine Georg gilt als jemand, dessen Leben in den Augen der Nazis nichts mehr wert ist. 

Richard ist inzwischen Arzt in einer Heil- und Pflegeanstalt. Er muss Meldebögen über die Kranken ausfüllen. Er muss bescheinigen, zu viel Prozent sie arbeitsfähig sind. Schnell muss Richard feststellen, dass es sich um keine normale Datenerhebung handelt, sondern dass die Tötungsmaschinerie der Nazis bereits in vollem Gange ist. Psychisch Kranke und Behinderte sind die ersten Opfer. Richard versucht, so viele Menschen zu retten, wie nur möglich, doch sein Feind, Dr. Krüger kommt ihm auf die Schliche. Richard verliert seine Arbeit in der Klinik. Er wird eingezogen. Sein bester Freund Fritz, ein Chirurg,  kann jedoch durchsetzen, dass Richard zu ihm nach Tripolis ins dortige Hauptlazarett kommt. 

Richard im fernen Tripolis, während in Hamburg der Krieg tobt und Paula mit den Kindern ums Überleben kämpft. Überall Bombeneinschläge, überall Feuer, überall Trümmer. Dann erkrankt Georg an Diphterie und nach einer weiteren schrecklichen Bombennacht werden die Kinder im Krankhaus verlegt. Ausgerechnet dorthin, wo Dr. Krüger das Sagen hat, ein Mann, ein Nazi, der schon so viele Menschen in den Tod geschickt hat. 

"Im Lautlosen" - es ist eine Geschichte, die mich manches Mal den Atem hat anhalten lassen. Zwischendurch musste ich immer wieder eine Pause einlegen. Ich musste das Gelesene sacken lassen. Es handelt sich zwar um eine fiktive Geschichte, die jedoch tatsächliche historische Hintergründe hat. Immer wieder fragt man sich, wie konnte das geschehen? Konnte man das wirklich nicht aufhalten? Was treibt Menschen dazu zu werden, wie dieser Dr. Krüger? 

Genannte Schriften, wie die "Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens" des Arztes Alfred Hoche, lassen den Leser erschauern. Unproduktive Geisteskranke, die der Gesellschaft nur Geld kosten. Unglaublich und doch so geschehen! 

Melanie Metzenthin schafft es, dass der Leser sich in diese furchtbare Zeit hineinversetzen kann. Die Kinder, die im Schrebergarten der Großeltern vor dem Bombenhagel halbwegs sicher sind und fasziniert der Flak zusehen. Die ausgebombten Straßenzüge, das ungewollte Zusammenrücken der Menschen, Ängste, Empfindlichkeiten, Hunger und Krankheiten. Alles ist so nah, so gewaltig, so realistisch, dass es manches Mal fast weh tut. 

Und doch, wie im richtigen Leben halt, auch hier und dort Lichtblicke. Hoffnung, kleine Wunder. Ich würde hier gerne mehr erzählen, doch ich würde auch viel zu viel verraten. 

"Im Lautlosen" - ein großartiger Roman über eine der schlimmsten Zeiten der Geschichte! An manchen Stellen habe ich geheult. Die Tränen liefen einfach. Meistens liefen sie jedoch vor Rührung, vor Erleichterung. 

Diesen Roman MUSS man einfach lesen. Es ist eine unheimlich starke Geschichte, die einen packt, die einen nicht mehr loslässt, die unendlich nachdenklich und traurig stimmt, die aber auch für Hoffnung und Neuanfang steht. Unbedingt lesen!




Taschenbuch
524 Seiten
Verlag: Tinte & Feder



Sonntag, 16. Juli 2017

Think Pink!

10 positive Dinge und Begebenheiten
 der vergangenen Woche
 
 
 
(c) Monika Schulte


 
1. Schön, wenn der Schmerz langsam nachlässt.
 
2. Nachbars Katze hat mich adoptiert.
 
3. Der Flieder blüht und duftet!
 
4. Was für ein Gesumme in unseren
Blumen und Pflanzen!
 
5. München-Treffen. Erste Planungen.
 
6. Endlich Regenpause.
 
7. Nette Produkte zum Testen erhalten.
 
8. Die Ruhe genießen.
 
9. Die Tage bis zum Urlaub zählen.
 
10. Lesen, einfach nur lesen.

Samstag, 15. Juli 2017

"Antonias Tochter" von Nora Elias

Ein bildgewaltiger Roman, der mich noch lange beschäftigen wird!

Antonia von Brelow muss kurz vor Kriegsende von dem Familienlandgut in Preußen fliehen. Ihre Flucht führt sie nach Köln, wo die Familie ein Stadthaus unterhält. Das Haus wurde zum Glück von den Bombardierungen verschont. Einst verfügte Antonia über eigenes Personal, doch diese Zeiten sind vorbei. Antonias Mann gilt als vermisst. Um überleben und für ihre kleine Tochter sorgen zu können, vermietet sie einige Räume des Hauses.

Da ist die Tänzerin Elisabeth, die vergeblich nach einem Engagement sucht, die als Trümmerfrau arbeiten muss und sich von einem britischen Soldaten aushalten lässt, der ihr auch die Miete für das Zimmer bezahlt. Katharina die Krankenschwester, deren Eltern eine andere, eine angemessene Zukunft für sie vorgesehen hatten. Georg der Arzt, der sich offenbar zu Antonia hingezogen fühlt und doch so seltsam reserviert ist und letztendlich Richard, Antonias Schwager, mit dem nicht gut auszukommen ist und der immer versucht, ihr übel mitzuspielen.

Eine Wohngemeinschaft, die sich zusammen rauft, die die kärglichen Mittel, die sie zum Überleben benötigt, zusammenlegt. Ein paar Scheiben Brot, ein paar Kohlen. Manchmal reicht es nur für eine heiße Tasse Wasser, doch wenigstens haben sie ein Zuhause, ein festes Dach über den Kopf. Jede Person der Wohngemeinschaft hat ein eigenes Schicksal, eine Vergangenheit, ein Geheimnis.

"Antonias Tochter" - selten hat mich ein Roman so sehr berührt wie dieser. Die Autorin lässt in bewundernswerter Eindringlichkeit die damalige Zeit wieder aufleben. Ich sehe Kinder, die Kriegskinder, die in den Ruinen der Stadt spielen. Menschen, die an Unterernährung sterben, weil die Versorgung nicht klappt und es zudem an Medikamenten mangelt. Legal ist kaum etwas zu bekommen. Der Schwarzmarkthandel wird bestraft. Und immer wieder die Kälte, der Hunger. Menschen, die anderen einfach etwas wegnehmen, obwohl diese es viel nötiger hatten. Die Scheibe Wurst, die ganz langsam gegessen wird. Das stundenlange Anstehen nach einem Stück Brot. Unvorstellbar in unserer heutigen Zeit des Überflusses.

"Antonias Tochter" - ein bildgewaltiger Roman, der nachdenklich stimmt, der mich noch lange beschäftigen wird. Unbedingt lesen!


 
eBook
448 Seiten
Verlag: GOLDMANN
 
 
 
 
Herzlichen Dank an Barbara Henning
vom Goldmann-Verlag, die mir diesen wunderbaren
 Roman empfohlen hat!

Freitag, 14. Juli 2017

"Bis wieder ein Tag erwacht" von Charlotte Roth

Eine Geschichte voller Leben, voller Liebe,
voller Angst!

Romane von Charlotte Roth, die muss man einfach lesen! Die Autorin entführt den Leser diesmal in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Fünf Freunde wachsen in der Provence auf. Fünf Freunde, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Nathalie, das Mädchen, das aus eher einfachen Verhältnissen kommt, lebenshungrig und gierig nach Geschichten, die sie sich selbst ausdenkt. Die Brüder Fabrice und Didier, die im Schloss wohnen. Delphine, die im Sommer immer zu Besuch kommt und schließlich Salah, der Junge aus Algerien, der wie ein Schatten über Nathalie wacht und stets an ihrer Seite ist. Nathalie liebt Didier, doch der kann sie nicht heiraten. Aus Enttäuschung über ihre verlorene Liebe fängt Nathalie in Paris ein neues Leben an. Es ist kein einfaches Leben, doch ein Leben voller Abenteuer. Hier lernt die junge Frau den Deutschen Alwin kennen. Alwin, der wie sein Vater zum Militär gegangen ist. Nach dem Tod des Vaters muss er sich um seine Mutter und seine Schwester Dörte kümmern. Dabei haben sie einst gut behütet auf einem Gut gelebt. Nathalie stürzt sich mit Alwin in das nächste Abenteuer, doch dann bricht der Zweite Weltkrieg aus. Aus Freunden werden  Feinde.

"Bis wieder ein Tag erwacht" - ich muss zugeben, am Anfang hatte ich Schwierigkeiten, in die Geschichte hinein zu finden. Das liegt aber mehr an den ganzen französischen Namen und Bezeichnungen, als an der Geschichte selbst. Doch dann, dann kam der Zeitpunkt, da hatte die Geschichte auch mich gepackt. Nathalie - so manches Mal hätte ich sie am liebsten geschüttelt und ihr zugerufen, dass sie sich gefälligst um ihren Sohn kümmern soll anstatt ihren Vergnügungen nachzugehen. Trotzdem habe ich sie verstanden. Nathalie ist eine junge Frau, die das Leben in vollen Zügen genießt. Sie braucht diese gewisse Freiheit, um ihren Lebenshunger zu stillen.

Ganz doll ins Herz geschlossen habe ich Alwins Schwester Dörte. Sie hätte ich am liebsten umarmt, sie versteckt, ihr geholfen. Gemocht habe ich alle Personen, jede auf ihre eigene Art und Weise. Es sind Personen, Menschen, so unterschiedlich wie das Leben selbst.

Charlotte Roth beschreibt die Lebenslust, aber auch die Angst. Die Angst vor dem Krieg. Wo ist man sicher? Wem darf man noch trauen? Im Hintergrund die ersten, die sich dem Widerstand anschließen. Eine Geschichte, die wie ein Film vor dem eigenen Auge abläuft. Man spürt die Angst. Man hofft mit diesen Menschen im Buch. Was wird aus ihnen werden? Werden sie zum Schluss wieder zueinander finden? Welche Schicksale warten auf sie?

"Bis wieder ein Tag erwacht" - 700 Seiten voller Leben, voller Liebe, voller Angst. Unbedingt lesen!


 
Taschenbuch
704 Seiten
Verlag: KNAUR




Herzlichen Dank an das Verlagsteam,
dass ich das Buch lesen und vorstellen durfte!

Sonntag, 2. Juli 2017

Dieses eine Buch...

Kennt Ihr das? Eigentlich habt Ihr im Kopf eine Liste gemacht, welche Bücher Ihr als nächste lesen wollt und dann kommt dieses eine, dieses ganz bestimmte Buch. Ihr nehmt es in die Hand, Ihr fangt an zu blättern, Ihr fangt an zu lesen und dieses ganz bestimmte Buch packt Euch sofort.

"Bis wieder ein Tag erwacht" von Charlotte Roth / Charlie Lyne.



Think Pink!

10 positive Dinge oder Begebenheiten
 der vergangenen Woche
 
 
 
 
Foto: (c) Monika Schulte



1. Geburtstagsdrückerei im Büro.
 
2. Hummel-Video gedreht.
 
3. Tolle Fotos vom Oleander.
 
4. Die singende Busfahrerin am Morgen,
die mir entgegen kam.
 
5. Eine coole Wärmflasche zum Testen bekommen.
 
6. Spannende Bücher angeboten bekommen.
 
7. Meine Fotos von Gut Kump wurden
über 5000 Mal angesehen!!!
 
8. Einen tollen Tag in Diepholz verbracht
und viele liebe Menschen endlich wiedergesehen!
 
9. In Niedersachsen hustenfrei gewesen.
 
10. Viele nette Gespräche geführt.

"Von Elise" von Verena Maria Kalmann

Ein Roman, der den Leser in die Welt der klassischen Musik entführt!

Die Geigerin Valerie Mollwitz tritt ihre Stelle als Zweite Konzertmeisterin in einem Orchester in Paris an. Hier will sie nun auch versuchen, die Trennung von ihrem Freund zu verarbeiten. Valerie muss jedoch erkennen, dass man sie nicht gerade Willkommen heißt. Die Erste Konzertmeisterin, Madame Prokova, schikaniert sie, wo sie nur kann. Kaum der französischen Sprache mächtig, hat Valerie auch nur wenig Kontakt zu ihren Kolleginnen und Kollegen vom Orchester. Einzig der Oboist Jan steht ihr bei.

Als wenn es nicht reichen würde, dass sie traurig und verzweifelt ist, geht auch noch ihr Lieblingssofa kaputt, ein altes Erbstück der Familie. Doch plötzlich findet Valerie dort in dem Sofa ein eingenähtes Tagebuch. Das Tagebuch ihrer Urgroßtante Elise, einer Pianistin, die einst den Geiger Karl geheiratet hat, ihre große Liebe. Eine Hochzeit, die schnell geschlossen wurde, bevor Karl in den Krieg ziehen musste. Das Tagebuch führt Valerie in eine vergangene Zeit. Sie lernt ihre Vorfahrin Elise kennen, die ihren Karl so abgöttisch geliebt hat. Elise, die sich um die ganze Familie gekümmert hat, vor allen um die geliebte Schwester Marie, die unter ihrem Ehemann zu leiden hatte.  Sie kümmert sich auch um ihren Bruder Max, der als gebrochener und traumatisierter Mann aus dem Krieg zurückkehrt.

Valerie ist fasziniert von der Geschichte ihrer Urgroßtante und beschließt, sich nicht unterkriegen zu lassen. Sie will diese Stelle in Paris unbedingt behalten und obwohl sie eigentlich keine neue Beziehung eingehen wollte, fühlt sie sich immer mehr zu Jan hingezogen.

"Von Elise" - ein wunderschöner Roman, der den Leser in die Welt der klassischen Musik entführt. Damals wie heute, immer ist es ein Konkurrenzkampf, sich in einem Orchester zu behaupten, seinen Platz zu behalten. Die Autorin spielt selbst Klavier und Geige, was den Roman noch viel lebhafter, viel authentischer macht. Ich selbst liebe klassische Musik, habe vor vielen Jahren auch das Wirken und Leben hinter der Bühne mitbekommen und habe dennoch durch diesen Roman jede Menge dazu gelernt. Die Liebe der Autorin zur Musik wird in jeder geschriebenen Zeile deutlich. Unbedingt lesenswert!



Taschenbuch
443 Seiten
Verlag: Tinte & Feder